Eskimo Limon
Eis am Stiel

Von Siegern und Verlierern oder
Die bittersüße Geschichte einer unendlichen Filmproduktion

»Dass sie alle ihre Geschichten erzählen, ist der einfühlsamen Kunstfertigkeit von Eric Friedler zu verdanken. (...) Ein Epos, wie wir es von dem Ausnahmekönner gewohnt sind.«

FAZ

»Überrascht – raffinierte Dramaturgie.«

Spiegel Online

»Vielschichtige Dokumentation über unfassbaren Triumph und enttäuschte Träume.«

Jüdische Allgemeine

»Wertvoller Beitrag«

TAZ

Drei Jungs erleben tragikomische Freuden und Nöte der ersten Liebe: 1978 eroberte die Pubertätsgeschichte »Eis am Stiel« (Originaltitel: »Eskimo Limon«) die internationalen Berliner Filmfestspiele, erhielt eine Golden Globe-Nominierung und wurde ein Welterfolg. Den wenigsten Zuschauern war klar, dass der Film und seine sieben Fortsetzungen aus Israel kamen – ab dem dritten Film mit einem deutschen Ko-Produzenten.

Witzig, sexy, trashig: Der finanzielle Erfolg von »Eis am Stiel« katapultierte die Produzenten Yoram Globus und Menahem Golan (später Cannon Films) sowie Regisseur Boaz Davidson nach Hollywood. Doch viele Beteiligte vor der Kamera litten unter den offensichtlich sexistischen Botschaften der Filme, sie fühlen sich bis heute stigmatisiert. Eric Friedler porträtiert Gewinner und Verlierer dieses ungewöhnlichen Erfolgs und zeigt, wie eng Glanz und Elend in der Glitzerbranche beieinander liegen.

Premiere in Hamburg

Die Protagonist*innen

Yftach Katzur
»Benny«

Yftach Katzur (59) stand bereits mit 17 Jahren auf der Theaterbühne. In einer Inszenierung von Peter Shaffers Drama »Equus« spielte er die Hauptrolle des Alan Strang. Dort sah ihn »Eis am Stiel«-Regisseur Boaz Davidson und engagierte ihn vom Fleck weg für die Hauptrolle des Benny. Noch weitere sieben Mal sollte er in den Fortsetzungen des Kassenschlagers diese Rolle spielen – von 1978 bis 1988. Noch heute wird er deswegen auf der Straße in Israel erkannt. Weitere Filmarbeiten waren der Agententhriller »The Ambassador« (1984) neben Robert Mitchum, Rock Hudson, Donald Pleasence und Ellen Burstyn sowie die israelischen Filme »Atalia« (1986) und »Gentila« (1997). Danach zog er sich aus dem Filmgeschäft zurück. Heute betreibt er eine Agentur.

Zachi Noy
»Johnny«

Zachi Noy (64) spielte von 1977 bis 1988 in der »Eis-am- Stiel«-Filmreihe mit. In seiner Heimat ist er nicht nur Schauspieler am Kindertheater, sondern auch im Fernsehen zu sehen. Unter anderem gewann er für seine Arbeit an der Anwaltsserie »Ramat Aviv Gimmel« den israelischen Fernsehpreis. In Deutschland ist er seit 40 Jahren in seiner Rolle als »dicker Johnny« aus »Eis am Stiel« in das kollektive Gedächtnis der Kino- und Fernsehgemeinde eingebrannt. Zuletzt fiel er als Teilnehmer von »Promi Big Brother« auf. Er ist verheiratet und mittlerweile Großvater.

Anat Atzmon
»Nili«

Anat Atzmon (59) stammt aus einer Schauspielerfamilie. Obwohl sie nur im ersten Teil von »Eskimo Limon« mitspielte, war diese Rolle ihr Durchbruch. Seitdem und bis heute arbeitet Anat Atzmon als Schauspielerin, konzentrierte sich aber nach verschiedenen Kino- und Fernsehfilmen vor allem auf das Theater. Später kam noch die Musik hinzu – sie gehört heute zu den populärsten Sängerinnen Israels. So wurde sie u. a. in den Vorentscheid für den israelischen Beitrag beim Grand Prix Eurovision de la Chanson (heute ESC) 1992 eingeladen. Sie ist zweifache Mutter.

Sibylle Rauch
»Trixi«

Obwohl Sibylle Rauch (57) in Teil 3 von »Eis am Stiel« keine zehn Minuten zu sehen ist und in den Teilen 7 und 8 noch kürzer, wird sie bis heute als »Eis am Stiel«-Star bezeichnet. Mit mehr als einer Million Kinozuschauern in Westdeutschland wurde Teil 3 der erfolgreichste Film der »Eis am Stiel«- Serie. Die Karriere der gelernten begann als »Playmate« 1979 (Miss Juni). Insgesamt neun Mal widmete die deutsche Ausgabe des Männermagazins Playboy ihr eine Bilderstrecke mit Nacktfotos. Sie stand in mehr als zehn Kinofilmen vor der Kamera, darunter in dem kruden Fassbinder-Biopic »Ein Mann wie E.V.A. (1984) oder »Wie treu ist Nik?« (1986). Weitere Filmarbeiten sind diverse Erotik-Produktionen sowie zahlreiche Pornoproduktionen. Ihre Kokainsucht beendete diese Karriere. Rauch landete im Rotlichtmilieu. Ein Schicksal, 2001 unter dem Titel »Das sündige Mädchen« (Regie: Christoph Stark) verfilmt wurde.

Ophelia Shtruhl
»Stella«

Die explizite Darstellung der Nymphomanin Stella veränderte das Leben der gebürtigen rumänischen Schauspielerin Ophelia Shtruhl (78) 1978 für immer. Die Szene, in der sie in Teil 1 die drei Teenager-Freunde in die Freuden der körperlichen Liebe einführt, galt im prüden Israel der damaligen Zeit als Skandal. Die Schauspielerin Ophelia Shtruhl wurde mit der Rolle identifiziert, immer wieder öffentlich belästigt, geschmäht und kaum noch besetzt. Die Karriere der exzellent ausgebildeten Actrice geriet ins Taumeln. Sie kehrte der Kamera den Rücken und spielte vor allem Theater. Dem Stigma als angebliche Sex-Darstellerin kann sie jedoch bis heute nicht entkommen: Zahlreiche Porno-Seiten im Internet zeigen ihre Verführungskünste aus »Eis am Stiel« als Clips.

Boaz Davidson
Regisseur

Für den israelischen Regisseur und Drehbuchautor Boaz Davidson (74) erwies sich die Verfilmung seiner eigenen Geschichte mit »Eis am Stiel« in vielerlei Hinsicht als Glück. Die Einladung des Films auf die Berlinale machte ihn der internationalen Filmwelt mit einem Schlag bekannt. Mit den »Eis am Stiel«-Produzenten Menahem Golan und Yoram Globus verband ihn eine langjährige Zusammenarbeit u. a. bei deren Firma Cannon Films. Bereits Ende der 1970er-Jahre ging Davidson nach Hollywood. 1982 drehte er mit »Die letzte amerikanische Jungfrau« ein US-Remake von »Eis am Stiel« (übrigens eine Cannon Films Produktion). Seit Anfang der 1990er-Jahre arbeitet Davidson vor allem als Produzent oder Ausführender Produzent.

Yoram Globus
Produzent

Auch für den in Tiberias, Israel, geborenen Produzenten Yoram Globus (76) war »Eis am Stiel« der erste internationale Erfolg. Seit den 1960er-Jahren war er in Israel in der lokalen Filmproduktion tätig. 1972 katapultierte »Eis am Stiel« ihn in die Riege international bekannter Produzenten. Gemeinsam mit seinem Cousin Menahem Golan (1929-2014) übernahm er 1979 die amerikanische Filmproduktionsfirma Cannon Films. Cannon Films war auf jedem großem internationalen Filmfestival vertreten und belegte die größten Billboards, beispielsweise in Cannes. Das Produzenten-Tandem gilt noch heute als legendär – sowohl in Hinsicht auf die hohe Zahl ihrer Produktionen als auch für die schwankende Qualität ihrer Filme. »Operation Thunderbolt« aus dem Jahr 1977 wurde beispielsweise für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert. Golan-Globus waren aber auch regelmäßig im Rennen um die Goldene Himbeere (schlechtester Film des Jahres). Ende der 1980er-Jahre steuerte Cannon Films in die Insolvenz, und Globus und Golan trennten sich beruflich. Bis in die 2000er-Jahre war er als Produzent aktiv.

Menahem Golan (1929—2014)
Produzent

Menahem Golan wurde wie sein Cousin Yoram Globus in Tiberias, Israel, geboren. Golan studierte Anfang der 1960er-Jahre Film in den USA, wo er den Independent- Regisseur und Produzenten Roger Corman kennenlernte. In unterschiedlichen Funktionen arbeitete er an dessen Film »The Young Racers« (»Schnelle Autos und Affären«, 1963). Zurück in Israel, inszenierte Golan seinen ersten Film »El Dorado« – der auch seine Partnerschaft mit seinem Cousin begründete. 1972 gelang es Menahem Golan (und seinem Cousin Yoram Globus), mit »Eis am Stiel« einen internationalen Erfolg zu produzieren – der dann in Serie ging. Gemeinsam mit Yoram Globus übernahm er 1979 die amerikanische Film-Produktionsfirma Cannon Films. Cannon Films produzierte Filme mit Stars wie Sean Connery, Sylvester Stallone, Chuck Norris, Jean-Claude Van Damme oder Charles Bronson

Er kehrte zurück nach Israel, wo er weiter in der Filmbranche arbeitete, und versuchte, an seinen Erfolg anzuknüpfen. Menahem Golan produzierte in seinem Leben rund 200 Filme und führte bei mehr als 40 Filmen Regie. Er starb im Jahr 2014.

Adam Greenberg
Kameramann

Geboren in Polen, wuchs Adam Greenberg (79) in Tel Aviv auf und lebt heute als US-amerikanischer Staatsbürger in Los Angeles. Er arbeitete seit 1961 als Kameramann und wurde durch den Erfolg der »Eis am Stiel«- Serie (1977 – 1988) international bekannt. Seine erste amerikanische Produktion war der Kriegsfilm »The Big Red One« (1980, Regie: Sam Fuller) mit Lee Marvin, Mark Hamill und Robert Carradine, der auf dem Filmfestival in Cannes lief. Zu seinen großen Erfolgen gehören James Camerons »Terminator« (1984) und »Terminator 2 – Tag der Abrechnung« (1991), für den Greenberg für einen Oscar nominiert wurde. Unvergessen sind auch seine Bilder in »Ghost – Nachricht von Sam« (1990), »Dave« (1993) mit Kevin Kline oder »Der erste Ritter« (1995, mit Sean Connery und Richard Gere).

Tami Mor
Kostümbildnerin

Tamar – genannt Tami – Mor war in mehr als 40 israelischen und internationalen Film- und Fernsehproduktionen für die Kostüme verantwortlich. Sie gehört zu den Gründungspersönlichkeiten der israelischen Filmindustrie und hat sowohl den ersten »Eis am Stiel«-Film ausgestattet als auch einige der Fortsetzungen.

Regina Ziegler
Produzentin

Regina Ziegler (74) war 1976/77 Mitglied der Auswahlkommission für den internationalen Wettbewerb der Berlinale. Sie ist nicht nur die erfolgreichste deutsche Produzentin für Kino und Fernsehen, sondern kann sich mit mehr als 450 Produktionen auch zu den erfolgreichsten europäischen Produzenten zählen. Kinofilme sind u. a. »Solo für Klarinette« (1998, Regie: Nico Hofmann, mit Götz George und Corinna Harfouch), »Ein Jahr der ruhenden Sonne« (1984, Regie: Krzysztof Zanussi, Goldener Löwe von Venedig) und »Der flämische Meister«, (1993, Regie: Susan Seidelman, Oscar-Nominierung). Für das Fernsehen produzierte Regina Ziegler u. a. den mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten Film »Novembertage« (1990, Regie: Marcel Ophüls). Die Ziegler Produktion »Die Wölfe« (ein dreiteiliges Dokudrama, Buch: Christoph Fromm & Friedemann Fromm; Regie: Friedemann Fromm) erhielt 2009 den Emmy und 2010 den Grimme-Preis. Seit 2011 betreibt Regina Ziegler mit ihrer Tochter Tanja gemeinsam das legendäre Berliner Kino »Filmkunst 66« in der Bleibtreustraße.

Michael Weinert
Kinobetreiber

Michael Weinert war 1976/77 Mitglied der Auswahlkommission für den internationalen Wettbewerb der Berlinale. In den 1970er-Jahren gehörte er mit seinem Kino »Klick« zu den bestimmenden Programmkino-Machern in West-Berlin. In ihren Kinos wurden vergessene Kino-schätze gehoben, Trends gesetzt, Kultur und Sub-Kultur der Kinematografie gefeiert. Bevor Weinert 1971 das »Klick« aus der Taufe hob, war das Kino als »Windscheid-Lichtspiele« schon lange im Familienbesitz. 21-mal wurde es von den Kulturbeauftragten der Bundesregierung für sein Programm ausgezeichnet. Gäste im Kino waren u. a. die Regisseure Rudolf Thomé und Rainer Werner Fassbinder sowie Liedermacher Wolf Biermann. Kleiner Nachtrag: Seit 2017 gibt es im »Klick« wieder Kino. Sehr zur Freude vom Ex-Betreiber Weinert.

Dvora Kedar
Schauspielerin

Dvora Kedar (93) spielte in allen Folgen der »Eis am Stiel«-Serie Bennys Mutter Sonja und steht heute noch jeden Abend in Tel Aviv auf der Theaterbühne.

Rachel Steiner
Schauspielerin

Als bebrillte Blondine Martha war Rachel Steiner in den ersten drei Folgen von »Eis am Stiel« unglücklich in Benny verliebt – und landete schließlich beim dicken Johnny. Sie hat die Schauspielerei nicht weiter verfolgt.

Eli Tavor
Drehbuchautor

Eli Tavor (82) zeichnet verantwortlich für das Drehbuch zum ersten »Eis am Stiel«-Film sowie für die Teile 2, 3, 4, 5 und 6. Insgesamt verfasste er für mehr als 20 israelische und internationale Filmproduktionen Drehbücher, zuletzt auch für das Remake »Lemon Popsicle 9: The Party Goes on«.

Yoel Liba
Schauspieler

Als rebellischer, selbstbewusster Rocker ist Yoel Liba in Teil 2 der »Eis am Stiel«-Serie als Gegner des Freundestrios zu sehen. Liba lebt in England und Israel.

Alain Jakubowicz
Schnitt

Der gebürtige Franzose Alain Jakubowicz war bei mehr als 70 Filmen für den Schnitt verantwortlich, nach »Eis am Stiel« u. a. bei »Texas Chainsaw Massacre 2« (1986) mit Dennis Hopper und »Blind Horizon – Der Feind in mir« (2003) mit Val Kilmer.

Dan Wolman
Regisseur

Dan Wolman (76) übernahm in »Eis am Stiel 5« (1984) und »Eis am Stiel 6« (1985) die Regie.

Avi Hadash
Schauspieler

In der Rolle des bebrillten Viktors musste Avi Hadash (58) von seinem Freund Zachi stets jede Menge Kopfnüsse einstecken. Der Schauspieler, der ein vielbeschäftigter Synchronsprecher für Zeichentrickfilme in Israel ist, war sowohl in »Eis am Stiel« (1978) als auch in den Fortsetzungen Teil 3, Teil 5 und Teil 6 zu sehen. Hadash arbeitet als Schauspieler für die Bühne und das israelische Fernsehen.

Ariella Minielli
Schauspielerin

Ariella Minielli spielte damals unter ihrem Mädchennamen Rabinovich die Rolle der hübschen Sally im dritten Teil der »Eis am Stiel«- Serie. Sie arbeitete danach nicht mehr als Schauspielerin.

Eric Friedler im Interview

Was ist an »Eis am Stiel« für einen
Dokumentarfilmer so reizvoll?

Credits

Kamera
  • Thomas Schäfer
  • Marian Engel
  • Nir Bar
Schnitt
  • Andrea Schröder-Jahn
Sound
  • Christoph Klein
  • Tonmischung
  • Ursula Arens
Farbkorrektur
  • Ronney Afortu
Compositing
  • Markus Selchow
  • Benjamin Wüpper
Grafik
  • Deli Creative Collective
Produktionsleitung
  • Katja Theile
Redaktionsassistenz
  • Andrea Dams
Producer Israel
  • Eveline Klueger-Kadish
Associate Producer
  • Sohar Solomon
Executive Producer
  • Silke Schütze
Redaktion
  • Christoph Bungartz
Buch und Regie
  • Eric Friedler